Brand- und Explosionskatastrophe 1987
Geschrieben von: Christian Posluschni und Stephan Göbel   
Montag, den 15. Dezember 2008 um 02:00 Uhr

Wir möchten an dieser Stelle an das Unglück vom 07. Juli 1987 erinnern, bei dem eine Brand- und Explosionskatastrophe Herborn zu einer traurigen Berühmtheit machte. Besonderen Dank gilt unserem Stadtbrandinspektor a.D. Karl-Heinz Walther, der die Dokumentation von Stadtbrandinspektor a.D. Hans Walther anlässlich des 20. Jahrestages fortgesetzt hat.   

 

Blick von der Dillbrücke auf das Schadensgebiet

 

 

Kurzbericht 

In den Abendstunden des 7. Juli 1987 befuhr ein aus Koblenz kommender Tanklastzug die B 255 Richtung Herborn. Seine Ladung bestand aus 35000 l Vergaser- und Dieselkraftstoff. Aufgrund eines technischen Defektes am Sattelzug rollte das Gespann mit großer Geschwindigkeit in das Stadtgebiet von Herborn.Im Kreuzungsbereich Hauptstraße/Westerwaldstraße kippte das Fahrzeug in einer Rechtskurve um und schlug Leck. Große Mengen an Treibstoff ergossen sich in die anliegenden Gebäude, Straßen, Kanäle und in die Abläufe der Oberflächen­entwässerung. Kurze Zeit später ging bei der integrierten Leitstelle in Dillenburg der Notruf ein. "Umgestürzter Tanklaster in Herborn, Westerwaldstraße Höhe Eisdiele/Pizzeria; Fahrzeug läuft aus". Ein Feuerwehrangehöriger, welcher Augenzeuge des Geschehens war, begab sich sofort zum etwa 500 m entfernt liegenden Feuerwehr­stützpunkt und informierte drei im Stützpunkt anwesende Feuerwehrleute, darunter der Leiter der Wehr. Die Leitstelle alarmierte gemäß Alarmplan die FF Herborn über Meldempfänger. Der Stadtbrandinspektor ließ aufgrund der ihm geschilderten Situation sofort Vollalarm für die Stützpunkte Herborn und Dillenburg auslösen. Während der Alarmierungsphase entzündete sich der ausgelaufene Treibstoff in einer ca. 70 m hohen Stichflamme. Durch die Explosion ergab sich folgende Lage: " Totaler Gebäudeeinsturz des Eiscafe/Pizzeria, 6 weitere Objekte im Vollbrand." Durch die Explosionsdruckwelle wurden mehrere Gebäude teilzerstört. In der weiteren Umgebung entstanden Schäden durch Glasbruch. Verletzte Personen flüchteten aus dem Gefahrenbereich oder lagen auf der Straße. Menschen sprangen in Panik aus den Obergeschossen und blieben teilweise verletzt auf den Gehwegen liegen. Aufgrund der Lageänderung wurden nun eine großangelegte Alarmierung von Feuerwehren, Rettungsdiensten und THW durchgeführt. Im weiteren Verlauf wurden auch massiv Einheiten der Berufsfeuerwehr Frankfurt/M. eingesetzt. Durch den in die Kanalisation eingedrungenen Treibstoff kam es zu Verpuffungen im Abwassernetz, so dass Kanaldeckel, auch in großer Entfernung zur Einsatzstelle, aus ihrer Verankerung gerissen wurden und Menschen gefährdeten. Der durch die Oberflächenentwässerung ablaufende Kraftstoff floss nach ca. 70 m in den angrenzenden Fluss Dill und setzte diesen auf mehreren hundert Metern in Brand. Am Ufer geparkte Kraftfahrzeuge wurden von den Flammen erfasst und brannten vollständig aus. Die zuerst eintreffenden Einsatzkräfte waren zu Beginn ausschließlich mit der Menschenrettung beschäftigt. Hierzu wurde die DLK sowie tragbare Leitern eingesetzt. Gegen 21:30 Uhr wurde durch den Landrat des Lahn - Dill - Kreises Katastrophenalarm ausgelöst. Wegen der akuten Explosionsgefahr in der Kanalisation wurden im Klärwerk alle nicht exgeschützten Geräte abgeschaltet. Um 22:40 Uhr wurden die ersten Toten unter den Trümmern gefunden. Nach 0:00 Uhr waren die Brände im Umfeld des eingestürzten Gebäudes soweit eingedämmt, dass die Such - und Bergungsdienste ihre Arbeit aufnehmen konnten. Hierzu wurden auch Rettungshundestaffeln alarmiert. Das THW baute Fernsprechleitungen zwischen dem Einsatzabschnitten und der Einsatzleitung auf. Am frühen Morgen des 08.07.87 wurden die Einsatzkräfte nacheinander gegen frisches Personal ausgetauscht. Gegen 13:00 Uhr hob der Landrat den Katastrophenalarm wieder auf. Die Aufräumungsarbeiten waren voll im Gang. Der Feuerwehrstützpunkt in Herborn war bis zum 10.07.87 besetzt, da die Einsatzkräfte immer wieder zu Nachlöscharbeiten im Schadensbereich ausrücken mussten.